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Nachprüfung

Schulrecht ist Landesrecht. Alle Angaben beziehen sich auf das Land Rheinland-Pfalz!

Grundsätzlich sind Nachprüfungen der Rettungsanker, um eine Versetzung in die nächste Klassenstufe sozusagen in "letzter Sekunde" doch noch zu erreichen. Für viele Eltern stellt sich in den kommenden Tagen die Frage, ob denn eine Nachprüfung sinnvoll ist, oder ob die Wiederholung der Klassenstufe nicht vielleicht besser für die schulische Entwicklung des Sohnes/der Tochter wäre.

In der Regel wird die Entscheidung, ob ein Schüler an einer Nachprüfung teilnehmen kann im Rahmen der Zeugniskonferenz (Versetzungskonferenz) entschieden. Durchaus kann es jedoch sinnvoll sein, schon rechtzeitig mit dem Klassenlehrer Kontakt aufzunehmen - so sind Eltern schon vor den Konferenzen darüber informiert, ob diese Möglichkeit von Seiten der Schule überhaupt in Betracht gezogen wird.

Zu bedenken ist Folgendes:
Als Eltern tun Sie Ihrem Kind nicht unbedingt einen Gefallen, wenn Sie unter allen Umständen eine Nachprüfung anstreben! Manchmal ist es für die schulische Entwicklung einfach besser eine Klassenstufe zu wiederholen - z.B. wenn die Lücken so groß sind, dass eine Nachprüfung zwar die Versetzung sichern kann, die Lücken aber im kommenden Schuljahr nicht mit Sicherheit geschlossen werden können.


Voraussetzungen der Zulassung zur Nachprüfung

Nachprüfungen sind für Schüler der RealschulePlus und Gymnasien in den Klassenstufen 6 bis 9 möglich, bei Schülern einer Gesamtschule in der 9. Klasse. Dies sind die Voraussetzungen für eine Zulassung zur Nachprüfung (§68f. SchulO RP 2009):

In besonderen Fällen (z.B. längere Krankheit) sind - auf Antrag der Eltern - Nachprüfungen in (maximal) zwei Fächern möglich.


Zulassung und Vorbereitung auf die Nachprüfung

Für eine Zulassung zur Nachprüfung müssen zuerst einmal alle Voraussetzungen der Zulassung erfüllt sein. In der Versetzungskonferenz wird dann beratschlagt, ob für diesen Schüler eine Nachprüfung in Frage kommt. In jedem Fall werden die Eltern nach der Entscheidung der Versetzungskonferenz schriftlich darüber informiert.

Wichtig: Falls ein Schüler zu einer Nachprüfung zugelassen wird, müssen die Eltern die Schule innerhalb von drei Tagen nach Zugang darüber informieren, ob ihr Kind an einer Nachprüfung teilnimmt und in welchem Fach die Nachprüfung stattfinden soll.

In jedem Fall ist ist die Entscheidung über die Zulassung zur Nachprüfung vor den Sommerferien zu treffen. Die Prüfung selbst muss spätestens am letzten Tag der Sommerferien stattfinden. Wann die Prüfung frühestens stattfinden darf ist eine "kleine Streitfrage". Da sich schon einige Gerichte mit dieser Frage beschäftigen durften, könnte man denken die Frage sei schon geklärt. Mitnichten ist dies jedoch der Fall. Allenfalls die Tendenz von ca. vier Wochen Vorbereitungszeit für die Nachprüfung lasst sich erkennen. Auch in Schulen ist die Meinung nicht eindeutig: Einige Schulen und Eltern argumentieren, dass Schüler Zeit benötigen um sich auf die Prüfung vorzubereiten und nennen die letzte Ferienwoche als akzeptablen Zeitpunkt. Andere Meinungen hingegen betonen, dass in Frage kommende Schüler sich theoretisch über ein ganzes Schuljahr hinweg vorbereiten konnten und sehen einen relativ frühen Termin als richtig an. Wie es sich im Einzelfall verhält, erfahren betroffene Schüler und Eltern von der Schulleitung. Nachdem die Frage des "Wann" geklärt ist, geht es um die Vorbereitung. Dabei ist idealerweise die Fachlehrkraft behilflich, die den Schüler im letzten Jahr in dem entsprechenden Fach unterrichtet hat. Die Lehrkraft "gibt Hinweise auf den inhaltlichen Rahmen der Nachprüfung und unterbreitet Vorschläge für eine geeignete Vorbereitung" (§69 Abs. 4 SchulO RP 2009). Als Themen sollen vor allem die Bereiche ausgewählt werden, in denen der Schüler bisher Mängel zeigte - so soll eine entsprechende Leistungsverbesserung des Schülers deutlich zu Tage treten. Wer die Prüfung durchführen wird liegt im Ermessen der Schulleitung, in der Regel wird es aber die bisherige Lehrkraft sein, die den Schüler im letzten Schuljahr unterrichtet hat.


Was tun bei einer Nichtzulassung zur Nachprüfung?

Nachprüfungsentscheidungen sind in allererster Linie pädagogisch getroffene Entscheidungen. Sie beziehen sowohl die Leistungsfähigkeit und -prognose als auch die psychische Lage ("Wie wird er/sie auf eine (Nicht-)Versetzung reagieren?") des Schülers mit ein. Falls die Versetzungskonferenz zu dem Entschluss kommt den Schüler nicht zu einer Nachprüfung zuzulassen, gibt es für Eltern/Erziehungsberechtigte nur eine Möglichkeit dagegen vorzugehen:

  1. Einwand: Sie können gegen die Nichtzulassungsentscheidung Einwände geltend machen. In diesem Fall entscheidet die Schulleitung, ob die Einwände berechtigt sind und die Entscheidung der Nichtzulassung zu beanstanden ist. Dazu muss die Entscheidung gegen Rechts- und Verwaltungsvorschriften verstoßen (§27 Abs. 6 SchuG). Dies bedeutet: Reine Einwände wie "aber nächstes Jahr schafft mein Kind das Klassenziel" werden keinen Erfolg haben.
  2. Klage: Eine Klage gegen die Nichtzulassung zur Nachprüfung ist nicht vorgesehen. Es kann lediglich gegen die Entscheidung der Nichtversetzung ein Widerspruch eingelegt werden bzw. gegen die Nichtversetzungsentscheidung der Versetzungskonferenz Klage erhoben werden. Bevor Sie jedoch einen solchen Schritt unternehmen, sollte erst das schulische Wissen des Schülers von dritter Seite prüfen lassen und sich dann mit einem Anwalt beraten.

Auch bei der Erwägung eines solchen Schrittes sollte niemals das Wohl des Kindes außer Acht gelassen werden: In eigentlich allen Fällen (uns sind da keine Außnahmen bekannt), wird eine entsprechende Entscheidung der Konferenzen nicht ohne triftigen Grund gefällt - und manchmal ist die Wiederholung einer Klassenstufe sinnvoll. Uns sind leider mehrere Fälle bekannt, bei dem Schüler von ihren Lehrern "mitgeschleift" wurden und am Ende den Schulabschluss nicht geschafft haben.


Form der Nachprüfung

Die Form der Nachprüfung (§70 SchulO RP 2009) ist vergleichbar mit der Notenfindung während des Schuljahres:


Die Sache mit dem Zeugnis

Die Zulassung zur Nachprüfung bringt es mit sich, dass in der Regel vorläufig kein Zeugnis ausgestellt wird. Sobald die Bewertung der Nachprüfung feststeht, wird das Zeugnis ausgestellt und mit folgendem Zusatz versehen:

Die Zeugnisnoten werden auch durch eine Nachprüfung nicht verändert, d.h. die "schlechten Noten" werden nicht besser - lediglich die Versetzungsentscheidung wird durch eine bestandene Nachprüfung beeinflusst. Auf der anderen Seite können sich Noten durch eine Nachprüfung auch nicht verschlechtern.